Mann vor Bergkulisse

Lebenskunst auf psychologisch oder die Frage, was ist wichtig im Leben?

Der Begriff der Lebenskunst, der eigentlich aus der Philosophie kommt, spielt durchaus auch in der Psychotherapie ein Rolle im Hinblick auf die Frage, was ein "gutes Leben" für einen selbst ausmacht und was ihm Tiefe und Bedeutung verleiht oder verleihen kann. Bei der Behandlung psychischer Erkrankungen stellt sich immer auch die Frage des „Wozu das alles“ - wozu die Mühen der Behandlung auf sich nehmen, Ängste angehen, sich mit unangenehmen Gefühlen konfrontieren, Beziehungen klären, sich auf den oft mühsamen Weg der Selbstveränderung begeben – wozu lohnt sich der Energieaufwand? Lohnt er sich überhaupt? Welche Idee habe ich eigentlich von einem „guten Leben“, habe ich überhaupt eine Vorstellung davon, was mir wichtig ist und wie ich leben möchte?

Wer sich diese Fragen beantworten kann, dem fällt es meist leichter, sich zu unangenehmen Schritten zu motivieren – wenn die Motivation denn groß genug ist, d.h., wenn die Frage nach dem „Wozu“ hinreichend befriedigend beantwortet werden kann.

- Wozu möchte ich meine Angst, mich von zu Hause zu entfernen, angehen? Möchte ich dann meine Enkel oder Freunde besuchen? Auf Ausstellungen gehen? Mal wieder einen Kinofilm genießen, ohne angstvoll am Rand zu sitzen (wenn überhaupt), um jederzeit den Saal verlassen zu können?

- Wozu möchte ich, dass sich meine Stimmung bessert? Möchte ich eine lebensfrohere Partnerin sein? Eine glücklichere Mutter? Eine optimistischere Freundin? Möchte ich in der Lage sein, mehr auch alleine unternehmen zu können? Mal wieder wandern gehen? Aktiver werden? Mich wieder meinen Interessen widmen können? Aber was sind denn meine Interessen?

Dies nur als zwei Beispiele, wie wichtig es ist, über den eigenen „Symptomtellerrand“ hinauszuschauen und sich auch mit seinen grundlegenden Motivationen und Werten im Leben zu befassen – und das gilt nicht nur für Psychotherapiepatienten, sondern meines Erachtens für jeden.

In der Psychotherapie ist dies auch mit der Richtung der ACT (Acceptance- und Commitment-Therapie) verbunden, einem in den 90er Jahren entwickelten Therapieansatz aus dem Bereich der Verhaltenstherapie, der darauf abzielt, sich seiner Werte in den unterschiedlichen Bereichen bewusst zu werden, diese ausreichend im Leben zu verankern und durch die Orientierung an seinen persönlichen Werten (Commitment) auch unangenehme Gefühle zu akzeptieren (Acceptance), um es sich zu ermöglichen, seinen persönlichen Werten letztendlich näher zu kommen.

Mehr Hintergrundinformationen zu ACT finden sich u.a. hier: https://www.psychotherapie-bewegt.de/therapieangebot/act/.

Es findet sich dort auch eine interessante Liste als Anregung zur Auseinandersetzung mit den eigenen Werten: https://www.psychotherapie-bewegt.de/werte/.

Viel Vergnügen!

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