Cocktail am Strand

Mehr Zeit für Genuß!

Pünktlich zur Urlaubszeit wird es vielleicht mal Zeit für ein Thema, das sich mit den besonders schönen Seiten des Lebens beschäftigt: Nein, nicht mit dem Urlaubmachen, sondern mit dem Genießen.

Die Psychotherapie hat dafür sogar einen speziellen Begriff erfunden, nämlich das Genußtraining. Ob es vielleicht noch einen schöneren Begriff geben könnte, da ja in „Training“ schon wieder ein Aspekt von Arbeit, Schweiß und Mühe steckt, sei mal dahingestellt. Vermutlich stammt der Begriff von Verhaltenstherapeuten (Vorsicht Ironie, bin ja selbst eine…).

Inhaltlich ist das Üben und Vertiefen der Genussfähigkeit aber natürlich völlig berechtigt und auch für jeden und jede „Normalgestörte(n)“, um mal die Begrifflichkeit von Steffi Stahl zu verwenden, erstrebenswert, da es die Lebensqualität stark erhöhen kann.

Grundidee des Genußtrainings ist das Einüben einer konzentrierten, auf den Moment fokussierten und wertungsfreien Achtsamkeit im Bezug auf eine bestimmte Tätigkeit, z.B. essen. So konzentriert man sich auf seine fünf Sinne, während man z.B. Stück Apfel isst. Dies kann auch einzeln geübt werden, indem man sich in verschiedenen Durchgängen auf jeweils unterschiedliche Sinne konzentriert (fühlen – riechen – schmecken – hören - sehen).

Ganz wichtig dabei: Sich Zeit lassen, richtig – viel – Zeit. Dies ist umso wichtiger, als wir ja oft sowieso schon den ganzen Tag von einem Punkt auf unserer To-Do-Liste zum nächsten hetzen und da sollte eine Genussübung eben genau nicht noch ein To-Do auf der Liste sein, sondern der Versuch, das Hamsterrad zu verlassen und zumindest diese eine Tätigkeit, die Genussübung, aus einer anderen Perspektive zu sehen, nämlich aus der Perspektive der Konzentration auf das Hier und Jetzt, der Wertungsfreiheit und des bewussten Sicheinlassens auf die Gegenwart.

Wenn während der Übung ablenkende Gedanken auftreten, ist es wichtig, diese an sich vorbeiziehen zu lassen und die Aufmerksamkeit wieder auf die Übung zu lenken, ohne inhaltlich auf die störenden Nebengedanken einzugehen, indem man beispielsweise anfängt, darüber nachzudenken.

Eine klassische Genussübung ist das langsame Essen einer Rosine (unter Rosinenübung zu googeln), aber man kann selbstverständlich jede andere Tätigkeit zu einer Genussübung machen, selbst Haushalts- oder Alltagstätigkeiten – solange man sie mit der entsprechenden, oben beschriebenen achtsamen Haltung ausführt.

Entsprechende DIGAs scheint es bisher nicht zu geben, vermutlich auch, weil das Genusstraining prinzipiell für jeden geeignet ist und sich die Indikation nicht sinnvoll auf spezielle Diagnosen einschränken lässt. Dennoch wäre es, finde ich, eine tolle Idee, so etwas als DIGA.Modul verschreiben zu können oder vielleicht auch als IGEL-Leistung beziehen zu können. Mit schönen ansprechenden Videos dazu, eine ausgiebige Anleitung zum Essen einer Rosine und ähnliches…. Vielleicht arbeitet eine der DIGA-Entwicklerinnen ja schon dran.

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