Vier Bäume, gemalt vor weißem Hintergrund

Psychotherapie: Welche Therapierichtung ist die Richtige?

Wer auf der Suche nach einem Psychotherapieplatz ist, wird schon gemerkt haben, dass es zum einen nur ein kleines Angebot gibt, zum anderen aber auch, dass es gilt, zwischen verschiedenen Richtungen zu wählen.

Von der Kasse bezahlt werden die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Therapie, die Psychoanalyse sowie seit einiger Zeit die systemische Therapie. Bei Letzterer existieren, soweit ich weiß, jedoch noch keine Therapiesitze.

In der Arztsuchefunktion der Kassenärztlichen Vereinigung (für Baden-Württemberg https://www.arztsuche-bw.de/) kann man, nachdem man sich alle Psychotherapeuten in einem bestimmten Gebiet hat anzeigen lassen, nun unter „mehr Infos anzeigen“, sehen, welche Therapierechnung der Therapeut anbietet (unter der Überschrift „Genehmigungen“).

Meiner Ansicht nach ist die Vorab-Entscheidung für eine bestimmte Therapierichtung nur in den Fällen sinnvoll, wo man von vornherein von einem hohen Übungsanteil ausgeht. So ist z.B. die Exposition bei Angsterkrankungen erwiesenermaßen ein wichtiger Baustein, den Verhaltenstherapeuten in der Regel auch durchführen. Dies heißt jedoch nicht, dass Tiefenpsychologen (an dieser Stelle stellvertretend für die anderen Therapierichtungen) dies keinesfalls tun, man kann sich nur nicht so sicher sein. Es ist also durchaus möglich, auch mit einer Angsterkrankung bei einem Tiefenpsychologen (oder Analytiker etc.) gut aufgehoben zu sein.

Ich würde behaupten, wenn man verschiedene Therapiesitzungen auf Video sehen würde, bei der Therapeuten unterschiedlicher Schulen einen Patienten behandeln, wäre es für den „einfachen“, d.h. nicht psychotherapeutisch vorgebildeten Zuschauer nicht möglich zu erkennen, welcher Therapierichtung ein bestimmter Therapeut angehört. Es wäre auch nicht so, dass bestimmte Äußerungen klar einer bestimmten Therapieschule zugeordnet werden könnten. Insofern bestehen – oft zumindest – die Unterschiede zwischen den Schulen eher in den Köpfen der Psychotherapeuten und das zeigt sich v.a. darin, vor dem Hintergrund welcher Überlegungen bestimmte Fragen gestellt werden oder bestimmte Überlegungen getätigt werden.

Ich selbst bin in einer schulenübergreifenden Interventionsgruppe und unsere Überlegungen ähneln sich oft sehr, wenn wir Patienten diskutieren. Maßgebliche Unterschiede bestehen eher im Vokabular und den Schwerpunkten, die wir setzen, und manchmal auch in der Frage, wo wir als erstes Einflussfaktoren vermuten. Dennoch schaut jeder von uns über seinen Tellerrand und kennt Interventionen, die ursprünglich aus anderen Richtungen kommen. Zudem ist ja insbesondere die Verhaltenstherapie bekannt dafür, alles, was sich als wirksam erweist, zu vereinnahmen, sodass auch ursprünglich aus anderen Therapierichtungen stammende Bausteine im Laufe der Zeit als „verhaltenstherapeutisch“ gelten.

Empfehlen würde ich, sich verschiedene Therapeuten anzuschauen, nach dem Therapiekonzept zu fragen und sich ansonsten auf die eigene Intuition zu verlassen. In einer Psychotherapie muss man sich öffnen können und die Voraussetzung dafür ist, dass einem der Therapeut sympathisch ist. Natürlich reicht Sympathie alleine nicht aus, sondern muss sich durch mehr oder weniger zielgerichtetes Arbeiten ergänzen, denn auch die Therapieerfolge des Patienten haben einen positiven Einfluss auf die therapeutische Beziehung und die therapeutische Zusammenarbeit.

 

Viel Erfolg!

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