Blick auf einen See

Wenn Ängste das Leben bestimmen

Neben Depressionen leiden die meisten Patienten in Psychotherapiepraxen unter diversen Angsterkrankungen. Da sich vielleicht viele schon mal gefragt haben, wann Ängste krankhaft werden und welche Angsterkrankungen es gibt, hier ein paar Anmerkungen dazu.

Im ICD-10 - dem in Deutschland maßgeblichen Diagnosekatalog – werden folgende Angsterkrankungen unterschieden:

Agoraphobie, mit oder ohne Panikstörung: Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Oft sind auch Ängste, im Stau zu stehen, auf der Autobahn zu fahren oder in einer Warteschlange anzustehen, vorhanden. Gemeinsam ist all diesen Situationen die Angst, dass Hilfe bzw. das rettende Ufer im Notfall fern ist, man der Situation nicht so schnell entfliehen kann, eingeschlossen (in engen Räumen) oder auch im Gegensatz dazu, auf öffentlichen Plätzen „ausgesetzt“ ist.

Soziale Phobie: Furcht vor kritischer Betrachtung durch andere Menschen, Furcht in sozialen Situationen. Beschwerden wie Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen können auftreten (aber natürlich auch andere).

Spezifische Phobien: „Phobien, die auf eng umschriebene Situationen wie Nähe von bestimmten Tieren, Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, Urinieren oder Defäkieren auf öffentlichen Toiletten, Genuss bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch oder auf den Anblick von Blut oder Verletzungen beschränkt sind.“ (ICD-10).

Panikstörung: Wiederholte Angstattacken, scheinbar aus dem Nichts ohne Auslöser. Typisch ist das Auftreten in Ruhesituationen, z.B. wenn man abends auf der Couch sitzt oder im Bett liegt.

Generalisierte Angststörung: „Die Angst ist generalisiert und anhaltend. Sie ist nicht auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt, oder auch nur besonders betont in solchen Situationen, sie ist vielmehr "frei flottierend".“ (ICD-10).

Als Online-Selbsttest finde ich folgenden ganz gut, weil er nicht nur die generalisierte Angststörung abdeckt:

https://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_angst_panik.phtml

Wer sich besonders für die generalisierte Angststörung interessiert, kann beispielsweise hier schauen:

https://www.selfapy.com/magazin/angst-und-panik/angststoerung-test

Wie bereits im Depressionsartikel angesprochen, gibt es die sog. DIGAS, digitale Gesundheitsanwendungen, die inzwischen teilweise auch von Krankenkassen beworben werden. Dies sind internetbasierte Therapieprogramme, die auch der Hausarzt verschreiben kann. Solche DIGAS sind auch für verschiedene Angststörungen erhältlich. Eine offizielle DIGA-Suchfunktion findet sich hier: https://diga.bfarm.de/de.

DIGAs können für die Überbrückung einer Wartezeit auf einen Therapieplatz durchaus hilfreich und in leichteren, unkomplizierteren Fällen vielleicht auch mal ausreichend sein.

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