Auf der Suche nach einem Psychotherapieplatz

Auf der Suche nach einem Psychotherapieplatz

Die Anzahl der niedergelassenen Psychotherapeuten ist recht knapp bemessen und seit Jahren Gegenstand zähen Ringens zwischen Standesvertretungsorganen und Politik. Die entsprechenden Wartelisten bei Kolleginnen und Kollegen sind lang und oft müssen Menschen, die dringend Hilfe benötigen, monatelang – nicht selten ein halbes Jahr oder noch länger – auf einen Platz warten.

Um die Hintergründe ein wenig zu beleuchten, muss man sich klar machen, dass pro Patientensitzung eine Zeitstunde eingeplant und dies auch von Seiten der Abrechnungsmodalitäten so vorgesehen ist. Da wir nicht einfach „doppelt so schnell sprechen“ können und sich auch Therapiefortschritte nicht unbedingt beliebig beschleunigen lassen, gibt es wenig Spielraum für mehr Effizienz, weshalb eine zusätzliche Sitzung pro Woche automatisch eine Erhöhung der Arbeitszeit um – mindestens – eine Stunde bedeutet.

Da der Bedarf an Psychotherapieplätzen die zeitnah verfügbaren Plätze bei weitem übersteigt – in Großstädten mag das weniger ausgeprägt sein –, ist es hilfreich, die folgenden Möglichkeiten auszuschöpfen:

  • Die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigung (Tel. 116117, Mo – Fr: 8 – 18 Uhr) vermitteln Erstgespräche innerhalb von vier Wochen „in zumutbarer Entfernung zum Wohnort“. Diese zumutbare Entfernung kann jedoch auch mal 50 km betragen. Wer zeitlich flexibel ist bzw. Termine möglich machen kann und auch bereit ist, längere Strecken zu fahren, für den ist dies auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, eine erste diagnostische Einschätzung sowie Hinweise zum weiteren Vorgehen und Empfehlungen zu den therapeutischen Möglichkeiten zu erhalten. Oft haben die Therapeuten jedoch keinen festen Therapieplatz (weil einfach keiner frei ist, siehe oben) im Anschluss an das von der TSS vermittelte Erstgespräch, sodass man weitersuchen muss.

  • Auf der Seite der „Arztsuche“ der KV kann man nach Psychotherapeuten suchen, auch gefiltert nach bestimmten Städten. Auf den Psychotherapeutenprofilen sind die persönlichen Sprechzeiten vermerkt. Empfehlenswert ist, auch nur während der Sprechzeit dort anzurufen, da dann die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kollege persönlich am Telefon ist, am größten ist. Natürlich liegen die Sprechzeiten meist nicht unbedingt in Zeiten, in denen andere Mittagspause oder Feierabend haben, dennoch lohnt es sich, einmal eine Besprechung kurz zu verlassen bzw. das Telefonat anderweitig möglich zu machen. Falls die Kollegin eine Warteliste führt, wäre meine Empfehlung, sich auf jeden Fall dort aufnehmen zu lassen, wenn möglich sogar auf mehreren Wartelisten bei verschiedenen Therapeuten.

Hat man schließlich einen Therapieplatz erhalten, sollte man trotz der oft aufreibenden Therapieplatzsuche darauf achten, dass man sich wohl fühlt und Vertrauen entwickeln kann, um die Chancen für den gewünschten Therapieerfolg zu optimieren.

 

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